2016 läuft bei uns

6. Juli 2016 8 Von Arlette
… rund wie ein Dreieck, oder rückwärts und bergab, aber läuft.
Mann, ich hab echt genug. Dass es mal nicht wirklich läuft, geschenkt, das gehört zum Leben und nirgendwo steht geschrieben, dass wir ein Anrecht hätten auf problemlosen Alltag. Aber diese lästigen Wackersteine, die dürfen jetzt mal woanders lang rollen. Unser Vermieterproblem hab ich im Gesichterbuch und anderswo schon hinreichend bejammert, der Mann verfolgt mich bis in meine Träume. Seit mehr als einem Jahr ist das jetzt Thema, und es zermürbt mich. Lösung nicht in Sicht.
Ein anderes Thema ist die Schule der Großen. Pünktlich zur zweiten Klasse darf sie dann ihr eigentliches Schulgebäude beziehen, das wegen Schwammbefalls fast abgerissen worden wäre und ihr ein Jahr lang einen täglichen Schulweg von circa zehn Kilometern quer durch den Bezirk beschert hat. Lange, blöde, typische Hauptstadtgeschichte. Jedenfalls ist die Buspendelei nun bald geschafft, hurra, es gibt nämlich eigentlich gar kein Schwammproblem. Vielleicht findet sie dann im zweiten Schuljahr auch Freunde. Ich hab mein Kind noch nie so lang so unglücklich erlebt, ohne wirkliche Möglichkeit, ihr zu helfen. Es bricht mir das Herz. 
Sie bricht sich lieber den Arm, beim Inlineskaten. Läuft bei uns, hab ich schon gesagt, ne?
Um er richtig gut zu machen, mußte es auch der rechte Arm sein. Also Feierabend mit selber anziehen, alleine Zähne putzen und Co. Da wir beide uns aber insbesondere morgens echt nerven (Morgenmuffelmama vor dem ersten Kaffee trifft auf Schnatterliese vom Schlage “erst geht der Mund auf, und irgendwann die Augen”), mußten schnell ein paar Klamöttchen her, die die Liese auch mit Gips ohne mich anziehen kann. 
Mein Lieblingsschnitt für schnelle Mädchenkleider, die Sommers (ohne Arm) wie Winters (mit Longsleeve und Leggins) funktionieren, ist der Trägerkleidschnitt von Klimperklein. Die Schnitte von Pauline passen hier immer, immer, immer. Die sind durchdacht, sauber gradiert, itzen toll, sind einfach zu nähen und gehen von Baby bis Schulkind. Ich mag die.
 Hier eine der Liese noch dezent große 128 aus qualitativ besonders gutem, weichen rot-weißen Ringeljersey von Kekero. Diese Ringel sind quasi unmöglich zu fotografieren für Fotolegastheniker wie mich, aber sie sind eine echte Bank, was die Stoffqualität betrifft. Weich, formstabil, da fusselt nichts und den Trockner können sie auch ab, ohne dass das rot verblasst oder sich was verzieht. Aktuell noch überknielang, und an der Schulter ein bißchen weit. Macht aber nichts, Kind liebt es. Mit Anker drauf, weil die Liese doch gebürtige Hamburgerin ist (worauf sie goßen Wert legt). 
 Heute morgen geknipst, kurz vor dem Chirurgentermin, noch mit Gipsarm.
 … und heute nachmittag, auf dem Weg zum Kindergarten, Geschwister abholen. Nur noch bandagiert, die Hand, endlich. Das war für meine immer in Bewegung befindliche Schlauschwatzliese eine unendliche Geduldsprüfung. Sportakrobatik darf sie zwar noch nicht wieder machen, dafür aber schwimmen. Und Fahrrad fahren. Auf Bäume klettern erst nächste Woche wieder, und die Inliner warten bitte auch noch ein paar Tage.
 Hüpferung.
 Noch eine.
“Mama, ich kann auch rückwärts und mit Augen zu hüpfen”. Ja. Läuft bei uns. Hoffentlich jetzt mal wieder ein bißchen bergauf.
Kleiner Treppenwitz am Rand: der Gatte war mit der Liese in der Rettungsstelle, am Abend ihres Unfalls. Der weiterbehandelnde Kinderchirurg brauchte die Röntgenbilder, die ich nach einem Anruf in der Rettungsstelle dort abholen konnte, auf CD, sehr modern. Leider mailt das Krankenhaus die Bilder noch nicht, sonst wäre mir das hier vielleicht erspart geblieben.
Das kommt dabei raus, wenn man eine Zehntelsekunde abgelenkt ist und nicht schnallt, dass das Auto an der Ampel vor einem noch steht. Ich glaub, mein Kopf ist einfach zu voll zur Zeit. 
Das Gesicht der Frau in der Radiologie, die mir die CD ausgehändigt hatte und mich ungefähr eine halbe Stunde später als Patientin wieder begrüßen durfte, war fast komisch. Wenn mir denn noch nach lachen zumute gewesen wäre.
Aber gut, es war nur ein Auto und weder der Mini, noch mir ist was schlimmes passiert. Dafür hat das Baby jetzt Hand-Mund-Fuß. Und ich genug, ganz ehrlich. Mir reicht es, wie ganz ganz lange nicht mehr.